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Programm

27. Januar
Donnerstag
18.30 Uhr
Präsentation Lyrikwerkstatt
Poetische Nahaufnahmen – was heisst es, etwas «wirklich zu sehen»?

Die Schüler:innen der Sekundarschule Theobald Baerwart haben sich drei Tage lang mit den Werken der amerikanischen Künstlerin Georgia O’Keeffe (1887–1986) auseinandergesetzt. Die Retrospektive in der Fondation Beyeler rückt O’Keeffes kühne und radikale Weise des Sehens ins Zentrum der Aufmerksamkeit. «Man nimmt sich selten die Zeit, eine Blume wirklich zu sehen. Ich habe sie groß genug gemalt, damit andere sehen, was ich sehe.» Diese Aussage von 1926 steht paradigmatisch für das Schaffen und Leben der Künstlerin und wurde zum Ausgangspunkt für die Erkundungsgänge der Schreibwerkstatt: Unterstützt von der Literaturwissenschaftlerin und Lyrikvermittlerin Alisha Stöcklin und dem Vermittlungsteam der Fondation Beyeler haben die Schüler:innen sich Zeit genommen, die Kunstwerke und die Sprache, die in ihnen für sie wächst, ganz genau wahrzunehmen und auszuleuchten. Die Resultate dieser lebendigen Begegnungen präsentieren sie zum Auftakt des Lyrikfestivals im Rahmen einer Lesung im Literaturhaus Basel.

 

Eine Kooperation mit der Fondation Beyeler, der Sekundarschule Theobald Baerwart und «lyrix – Deutscher Bundeswettbewerb für junge Lyrik» zur Retrospektive «Georgia O’Keeffe» in der Fondation Beyeler (23.01.–22.05.2022)

28. Januar
Freitag
19.00 Uhr
Endo Anaconda: «Silben fallen mir aus dem Mund»

Endo Anaconda, bekannt als Sänger der Band Stiller Has, ist ein gewaltiger Dichter: expressionistisch, geistreich, schwermütig und ergreifend. Bissig-bluesig und mit schwarzem Humor kommentiert er die Tragikomödie unseres «Da-da-sein», sein klangvoller Vortrag changiert zwischen sanftem Adagio und Allegro furioso. Anacondas Gedichte sind wie das erlösende Gewitter nach einem trockenen Tag im Wilden Westen, in Kathmandu oder Trub. Begleitet wird er vom Gitarrist Boris Klečić.

28. Januar
Freitag
21.30 Uhr
Lyrik interdisziplinär
Late Night Variété

Das Late Night Varieté des Internationalen Lyrikfestivals Basel präsentiert Sprachkünstler:innen, die in keine Schublade passen, die waghalsig, innovativ und experimentierfreudig die Grenzen zu anderen Kunstsparten überschreiten, ausloten und verschieben und damit zu den aufregendsten Stimmen zeitgenössischer Lyrik gehören.

Vorhang auf für: Loretta Shapiro (Katja Brunner & Sophie Aeberli), Heike Fiedler und Maren Kames!

Moderation: Simone Lappert

29. Januar
Samstag
09.00—13.00 Uhr
Lyrikworkshop
Welten von A-Z. Vademecum zum poetischen Tun.

Ist Sinn Form? Ist Unsinn keine? Hat keinen Sinn keine Form? Offene und weitere Fragen nach der Frage, worauf das ganze Um und Auf die Antwort ist. Elementare Verfahrensweisen u.a. sprachlichen Tuns werden sowohl entworfen als auch eingeübt. Dieser Wokrshop richtet sich an alle, die die Welt poetisch und literarisch entdecken möchten.

Eine Kooperation mit der Volkshochschule beider Basel (VHSBB)

 

Leitung: Oswald Egger

 

Kursgebühr: CHF 98.-. Teilnehmende erhalten ermässigten Eintritt für die Veranstaltungen des Lyrikfestivals. Information und Anmeldung unter www.vhsbb.ch, Volkshochschule beider Basel, Telefon +41 61 269 86 66.

Diese Veranstaltung ist nicht im Festival-Pass enthalten.

29. Januar
Samstag
14.00 Uhr
Lyrik im Dialog
»Die Brüche der Horizontlinie« - Halyna Petrosaniak und Volha Hapeyeva im Gespräch mit Joël László

Volha Hapeyeva, in Minsk geboren, lebt heute in München. Halyna Petrosaniak stammt aus den ukrainischen Karpaten und lebt heute in der Schweiz. Beide Autorinnen haben ihr Land verlassen und leben in einer Umgebung, welche die Sprache, in der sie schreiben und publizieren, nicht versteht. Erst in der deutschen Übersetzung werden ihre Werke den Leser:innen ihres Gastlandes zugänglich. Im Gespräch geben sie Auskunft über ihre Situation als Schreibende in der fremdsprachlichen neuen Heimat, über ihre Beziehungen zu den Staaten, aus denen sie weggegangen, und zu ihrem Publikum, von dem sie getrennt sind.

 

Moderation: Joël László

29. Januar
Samstag
16.00 Uhr
Lyrik im Foyer
Lyrik im Foyer

Das Basler Lyrikfestival ist aus Treffen einer Gruppe von Basler Lyriker:innen entstanden, die sich in den 90er-Jahren regelmässig über die eigene Schreibarbeit austauschte. Auch heute gestaltet eine Gruppe von Lyriker*innen das Programm des Lyrikfestivals. Hier geben sie in einer gemütlichen Atmosphäre Einblick in ihre Arbeit.

 

Mit Ariane von Graffenried, Wolfram Malte Fues, Claudia Gabler, Alisha Stöcklin, Rudolf Bussmann und Simone Lappert.

Eintritt gratis!

29. Januar
Samstag
18.00 Uhr
Lyrikpreis
Lyrikpreis 2021 und 2022

Lyrikpreis 2021:

Das lyrische Werk von Hans Thill ist das Werk eines Spielers. Doch es ist hier nicht allein der Autor, der mit seinem Leser spielt, vielmehr spielen diese Gedichte in heiter-assoziativer, in provozierend fragender und augenzwinkernd in die Irre führender Manier tatsächlich mit allem, das mit ihnen in Berührung kommt. Doch bei all der heiteren, kurzweiligen Lektüre lassen sie auch Raum für Abgründe und Bosheiten, die bekanntlich meist zu finden sind hinter der ausgestellten Schelmerei.

Laudatio: Claudia Gabler

 

Lyrikpreis 2022:
Nadja Küchemeisters Lyrik erzählt von alltäglichen Dingen und den unscheinbaren Momenten des Lebens: von Wäschestän- dern und Kommoden, von Unterhosen und Blockschokolade, von Bahnfahrten oder dem Abholen der Kinokarten. Ihre Gedichte sind Chroniken des Augenblicks, die gleichermassen von einem grossen Vertrauen in literarische Traditionen wie auch einer kritischen Haltung zu ihnen zeugen. Sie erhält den Basler Lyrikpreis für ihren poetischen Blick auf die Schönheit und Abgründigkeit des Alltäglichen.

Laudatio: Ariane von Graffenried

 

29. Januar
Samstag
20.00 Uhr
Porträt
Oswald Egger: «Und die Gedichte haben, Hände ja, aber keine Handhabe»

Oswald Egger ist ein Sprachforscher, der stets auf der Suche nach dem Gedicht bleibt und es zwischen Lyrik und Prosa, Bild und Sprache, Klang und Kombinatorik, zwischen verschiedenen Welten immer wieder in den «Dreh der Rede» versetzt. Dabei wird das Gedicht zur unabschliessbaren Bearbeitung seines eigenen Wesens, das sie nie vollständig erfassen lässt. Was das Gedicht sei, kann nicht auf den Begriff gebracht, sondern nur in der Dynamik seines Entstehens verstanden werden. Gemeinsam mit Oswald Egger wollen wir uns «Wort für Wort» in die Tiefenschichten der Sprache versenken und die Linearität des Denkens unterwandern im Erleben der Überlagerung von dem «Denken des Gedichts» und dem «Gedicht des Denkens» – «(Und alles in allem drehte sich ineins.)»

 

Moderation: Alisha Stöcklin

30. Januar
Sonntag
11.00 Uhr
Matinée
Matinée: «was / wenn d erinnrig stirbt»

Wer in der Schweiz oder Deutschland auf Dialekt schreibt wie Stefanie Grob und Markus Manfred Jung, unterläuft die Dominanz der geltenden Schriftsprache. Wer es in Frankreich tut wie Jean-Christophe Meyer, bewegt sich zusätzlich im Spannungsfeld zwischen Deutsch und Französisch. Der Dialekt ist das kreative Feld, in dem sich die Spoken Word-Poetin und die beiden Autoren bewegen. Die Gäste reden über das Potential des Dialekts als Kunstsprache, dessen Charme und Biss, über ihre Art des Schreibens und ihre Erfahrungen mit dem lesenden resp. zuhörenden Publikum.

 

Mit Stefanie Grob, Markus Manfred Jung, Jean-Christophe Meyer

Moderation: Rudolf Bussmann

30. Januar
Sonntag
13.30 Uhr
Begegnungen
Begegnungen I: Silke Scheuermann und Felix Schiller

Silke Scheuermann: Träumen Zebras?

In den Gedichten Silke Scheuermanns überkreuzen sich Szenen von Liebe und Verlust mit Bildern einer nicht mehr auf den Menschen zentrierten Natur. Sie eröffnen damit fast grundlose Augenblicke des Glücks in einem «Hallraum unendlicher Möglichkeiten», den nur das Gedicht zu betreten erlaubt.

 

Moderation: Wolfram Malte Fuess

 

 

Felix Schiller: Bleibsel mit Sensen

Felix Schillers Gedichte verhandeln Politisches und Gesellschaftliches in ebenso dringlicher wie unaufdringlicher Weise. Seine Beobachtungen von Miss- und Notständen versuchen eine Verortung des Wohlstands-Ich in dieser beobachteten Welt und sind dabei hochgradig heutig, hochgradig unanalytisch und hochgradig ratlos. Diese Ratlosigkeit gebiert eine Sprache, die gleichzeitig verspielt, komisch und schmerzhaft ist – und die den Leser mit ihrer großen Sinnlichkeit in ihren Bann zieht.

 

Moderation: Claudia Gabler

30. Januar
Sonntag
15.30 Uhr
Begegnungen
Begegnungen II: Olga Martynova & Flurina Badel

Olga Martynova: «Tschwirka lernt Vokabeln und versucht zu begreifen, wozu sie gut sind»

Olga Martynova ist im babylonischen Garten zuhause. Ihre Gedichte klingen in der Luft, schlagen Kapriolen und hallen nach. Im Gedichtband von Tschwirik und Tschwirka zwitschern zwei Wesen in lautmalerischem Wechselgesang. Sie führen uneigennützige Gespräche, immer auf der Suche nach der Schönheit des Unsinns. Die Dichterin tritt in Dialog mit Dickinson, Novalis und Vertretern der russischen Moderne. Sie tut das wild, verspielt und experimentell. Ihre Gedichte entstehen auf Russisch und werden von Elke Erb ins Deutsche übersetzt.

 

Moderation: Ariane von Graffenried

 

 

Flurina Badel «chatsch la lengua – treib die zunge»

Mit tinnitus tropic ist Flurina Badel ein eindringliches Lyrikdebüt gelungen. Die rätoromanischen Gedichte präsentiert die Lyrikerin am Festival in eigenen und eigenständigen deutschen Nachdichtungen. Flurina Badels Gedichte sind geprägt von wachem sprachlichem Gespür und feinsinnigen Bildern: Dünen, die in Schubladen lauern, verschneite Hänge, die zum weissen Blatt werden; ein gutartiger Tinnitus, der nachsummt in den Ohren und die Leser:innen mitnimmt auf Wege zwischen Meer und Autobahn, zwischen Aussen und Innen.

 

Moderation: Simone Lappert