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Programm

23. Januar
Donnerstag
18:30 Uhr
Präsentation Lyrikwerkstatt
Poetische Skulpturen

Die Schüler*innen der Sekundarschule Theobald Baerwart haben sich drei Tage lang mit der Ausstellung des französischen Bildhauers Camille Blatrix in der Kunsthalle Basel beschäftigt. Der Künstler fertigt in Handarbeit und mit traditionellen Techniken seltsame und elegante Objekte an, die aussehen, als wären sie Maschinen aus einer unbekannten Zukunft. Gleichzeitig sträuben sich seine Objekte, ihre Funktion zu offenbaren. Unterstützt von der Literaturwissenschaftlerin und Lyrikvermittlerin Alisha Stöcklin und dem Vermittlungsteam der Kunsthalle Basel haben die Schüler*innen ihre Begegnungen mit den Kunstwerken in Worte und Gedichte gefasst und präsentieren sie im Rahmen einer performativen Lesung in den Ausstellungsräumen.

Moderation: Alisha Stöcklin
Eintritt frei!

In Kooperation mit der Kunsthalle Basel, der Sekundarschule Theobald Baerwart und lyrix – Deutscher Bundeswettbewerb für junge Lyrik zur Ausstellung von Camille Blatrix in der Kunsthalle Basel (17.1. – 15.3.2020).

24. Januar
Freitag
19:00 Uhr
Porträt
Lutz Seiler: «die poesie ist mein schiesshund»

Lutz Seiler ist einer der bekanntesten deutschen Lyriker der Gegenwart und hat zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht. Für sein Prosadebüt «Kruso» wurde er 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. In seinem 2015 in 6. Auflage erschienenen Gedichtband «pech & blende» (Suhrkamp) schreibt Lutz Seiler «die poesie ist mein schiesshund»: also dasjenige, was dem Jäger den Hasen bzw. dem Autor den Sinn treffsicher vor das (Schreib)Rohr treibt. «aber der hase, vielleicht / kommt er durch?» Wir werden sehen.

Lesung und Gespräch mit Lutz Seiler

Moderation: Wolfram Malte Fues

24. Januar
Freitag
22:00 Uhr
Lyrik interdisziplinär
Late Night Varieté

Das Late Night Varieté präsentiert Sprachkunst, die in keine Schublade passt. Das neue, spartenübergreifende Format denkt die klassische Wasserglaslesung weiter und hat keine Angst, sie auf den Kopf zu stellen. Der Kunstraum Kaskadenkondensator wird zum Improvisationslabor: Drei LyrikerInnen treffen auf drei PerformerInnen, unbekannterweise. Gemeinsam erarbeiten sie ein Programm, das sie am Abend präsentieren. Eine waghalsige Kollaboration, welche die Grenzziehung zwischen den einzelnen Sparten aktiv hinterfragt und verschiebt. Im Anschluss gibt es Tanzmusik der Senhora das Vitrolas und Drinks an der Bar.

Lyrik und Musik mit Lukas Huber, Tabea Xenia Magyar, Pamela Méndez, Janiv Oron, Ulrike Almut Sandig und Kinga Toth

Moderation: Simone Lappert

Eine Kooperation mit dem Sommercasino Basel

25. Januar
Samstag
9:00 Uhr
Lyrikworkshop
Lyrik / lyrics

Songtexte faszinieren und inspirieren Dichter*innen wie selten zuvor. In der Werkstatt wird den literarischen Potenzialen ausgewählter „lyrics“ nachgespürt und diese als Impuls- und Ideengeber für eigene kürzere und längere Texte genutzt. Es wird assoziiert, experimentiert und collagiert.

Leitung: Lydia Daher

Kursgebühr: CHF 98.—
Teilnehmende erhalten ermässigten Eintritt für die Veranstaltungen des Lyrikfestivals.

Information und Anmeldung unter www.vhsbb.ch
Volkshochschule beider Basel, 
+41 61 269 86 66  vhsbb@unibas.ch

Eine Kooperation mit der Volkshochschule beider Basel.

25. Januar
Samstag
14:00 Uhr
Übersetzungsformat
Handverlesen

Gebärdensprachliche Literatur stellt die traditionelle Definition von Literatur als Text in Frage und findet eine lyrische und erzählende Sprache jenseits von Schrift und Wort. Sie verunsichert und die laut- und schriftsprachlichen Konventionen der Literaturwissenschaft und des Literaturbetriebs. Das Projekt „Handverlesen“ bringt gebärdensprachliche und lautsprachliche Poesie in den Dialog: Gehörlose und hörende Lyriker*innen übersetzen gegenseitig ihre Gedichte, von der Lautsprache in die Gebärdensprache und umgekehrt. Text kommt in Bewegung. Vier Lyriker*innen aus dem Projekt präsentieren ihre Übersetzungen und sprechen mit Simone Lappert und Franziska Winkler, Mitinitiatorin von „Handverlesen“, über ihre Erfahrungen.
Das Gespräch wird simultan gedolmetscht.

Mit Lea Schneider, Kassandra Wedel, Kinga Tóth, Rafael Grombelka und Franziska Winkler (Projektleitung)
Moderation: Simone Lappert

Dolmetscherin: Johanna Wüthrich

25. Januar
Samstag
16:00
Die Lyrikgruppe stellt sich vor
Lyrik in der Lounge

Das Basler Lyrikfestival ist aus Treffen einer Gruppe von Basler LyrikerInnen entstanden, die sich in den 90er-Jahren regelmässig über die eigene Schreibarbeit austauschte. Auch heute gestaltet eine Gruppe von LyrikerInnen das Programm des Lyrikfestivals. Hier geben sie in einer gemütlichen Atmosphäre Einblick in ihre Arbeit.

Mit Ariane von Graffenried, Wolfram Malte Fues, Claudia Gabler, Alisha Stöcklin, Rudolf Bussmann, Simone Lappert.

Eintritt frei!

25. Januar
Samstag
18:00 Uhr
Basler Lyrikpreis 2020
Lyrikpreis an Eva Maria Leuenberger

Zum ersten Mal hat sich die Lyrikgruppe dafür entschieden, mit dem Lyrikpreis ein Debüt auszuzeichnen. Eva Maria Leuenberger legt mit «Dekarnation» einen Erstling vor, der die Lesenden mitnimmt auf eine Reise durch vier Zyklen von grosser Sogkraft, so dunkel wie erhellend, so abgründig wie erhebend. Der Schlichtheit und Radikalität ihrer Sprache stellt sich ein konsequenter Formwille zur Seite, wodurch der Band auch inhaltlich eine überzeugende Geschlossenheit erreicht. Gleichwohl werden darin Bruchstellen freigelegt, die eindrücklich offen bleiben und lange nachklingen.
Laudatio: Alisha Stöcklin & Rudolf Bussmann
Eintritt frei!

Der Basler Lyrikpreis wird gestiftet von der GGG Basel.
Anschliessend gibt es einen Apéro.

25. Januar
Samstag
20:00 Uhr
Lyrisches Konzert
Michael Fehr und Manuel Troller: «Im Schwarm»

Michael Fehr bezeichnet sich als Erzähler. Er schafft poetische, rhythmische, gleichsam musikalische Erzählwerke, arbeitet aufmerksam und sorgfältig mit den Möglichkeiten der Repetition, Reduktion und Artikulation, um Spannung und Gelassenheit, Lärm und Stille, Kraft und Zerbrechlichkeit zu bewirken. In enger Zusammenarbeit mit dem Musiker Manuel Troller werden einige Geschichten von Michael Fehr zu Songs.

Bitte nutzen Sie den Vorverkauf.
Die Veranstaltung ist nicht Teil des Festivalpasses.

26. Januar
Sonntag
11:00 Uhr
Matinée
«Grand Tour – Verortung in Versen»

Mit «Grand Tour. Reisen durch die junge Lyrik Europas» legen Federico Italiano und Jan Wagner eine überwältigende Lyrik-Anthologie vor. Sie versammelt Gedichte von Hunderten von Lyrikerinnen und Lyrikern aus 49 Ländern. Das 2019 bei Hanser pubizierte Kompendium europäischer Gegenwartslyrik ist eine Feier der Stimmenvielfalt Europas und eine Hommage an die Kunst der Übersetzung. Seit Erscheinen des Buchs reisen seine Herausgeber mit Dichterinnen und Dichtern in wechselnder Besetzung durch Europa.

Lesung und Gespräch mit Maria Barnas, Nikola Madzirov und Federico Italiano
Moderation: Ariane von Graffenried

26. Januar
Sonntag
13:30 Uhr
Begegnungen I
Ulrike Almut Sandig & Alexander Gumz

Ulrike Almut Sandig: «Ich bin ganz aus Sprache gemacht»
Lesung und Gespräch

Eine muntere Spielfreude zieht sich durch Ulrike Almut Sandigs Gedichte. Andauernd verändert eine der auftretenden Personen ihre Identität, redet als Pflanze, wird zum Tier oder zur Märchenfigur. Vor den Augen der Lesenden vollziehen sich unerwartete Übergänge von einer Ebene der Fiktion zur nächsten. Doch bei aller Verspieltheit sprechen höchst reale Sorgen in Sandigs Texten mit: die Angst vor Verrohung und Gewalt, vor dem Abdriften der westlichen Gesellschaft in die Barbarei.

Moderation: Rudolf Bussmann

 

Alexander Gumz: «schüsse durchschlagen meine liebe»
Lesung und Gespräch

«Barbaren erwarten» (kookbooks, 2018) ist der Titel von Alexander Gumz´ zweitem Gedichtband. Der Berliner Lyriker überlässt hier den Rohen die Bühne, den Unzivilisierten, die am Rand der Gesellschaft stehen. Bei Gumz sind sie wütende, mal sympathische, mal unsympathische Anarchen, die durch Grossstädte ziehen, versaute Lieder singen und der Staatsmacht die Nase eindrücken. Das ist ernsthaft und witzig zugleich, wild und befreiend barbarisch.

Moderation: Claudia Gabler

26. Januar
Sonntag
15:30 Uhr
Begegnungen II
Kerstin Preiwuss & Lydia Daher mit Hannes Buder

Kerstin Preiwuss: «sprach pure atemluft»
Lesung und Gespräch

Die Schriftstellerin, Kulturjournalistin und Lyrikerin Kerstin Preiwuss beginnt ihren 2012 (Suhrkamp) erschienenen Gedichtband «Rede» mit den Versen «sprache atemluft / sprach pure atemluft / sprach von atmen von purer atemluft». In ihren Gedichten schenkt Kerstin Preiwuss Wort für Wort, Vers für Vers reinen Lebensatem für alle, die sich der Sprache zu bedienen meinen.

Moderation: Wolfram Malte Fues

 

Lydia Daher und Hannes Buder: «Ich gebe zu, ich hatte Grosses vor.»
Gespräch und Konzert

Wo verlaufen die Grenzen zwischen Musik und Literatur, zwischen Lyrik und Lyrics? Eine, die sie verwischt, ist die deutsche Dichterin und Musikerin Lydia Daher. Ihr dritter, vielgelobter Longplayer «Wir hatten Grosses vor» ist eine Engführung von Lyrik und Musik, oszilliert zwischen Pop, Jazz und Minimal. Mit dem Gitarristen Hannes Buder dichtet sie mit Tönen und Rhythmen, als wären es Silben. Gemeinsam lassen sie popmusikalische Strukturen eingängig aufblitzen, um sie gleich darauf brodelnd aufzulösen.

Moderation: Ariane von Graffenried

Wenn dieser Satz vom Himmel fiele,
vor deine Füße, die im Schatten
der alten Bruchweide stehen
unter einer Sonne, die soeben angewankt kam
über die durchgedrückten Rücken und Neubauten,
 
es würde doch nichts daran ändern:
nichts von dem zählt,
was hier steht, sondern das, was sich danach
in deinem Kopf wiederholt
als ständige Abfolge von zehntausend Dingen,
 
Dinge, die du nicht in der Hand hast,
nicht mal als Bild, 
die zurückkehren an den Punkt,
an dem auch dieser Gedanke nichts gilt.
Die zehntausend Dinge halten den Mund.
 
Die Dinge schweigen, auch wenn die
Mieten steigen und wenn es hagelt und dein 
teurer Wagen Beulen kriegt,
der Hagel bleibt ganz ruhig.
 

Lydia Daher